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Laura Indorato: Deformation der Malerei. Studien zu Chaïm Soutine

Chaïm Soutine, Retour de l’école après l’orage, um 1939, Öl auf Leinwand, 46 x 50 cm, Washington D.C., The Phillips Collection. Erworben 1940.

Die Dissertation wurde von Prof. Dr. Ralph Ubl, Universität Basel sowie Prof. Dr. Claudia Blümle, Humboldt-Universität zu Berlin betreut.

Die Dissertation untersucht die Interpretation der Malerei von Chaïm Soutine (1893–1943) unter dem Begriff der «Deformation». Soutine, geboren in Smilawitschy, einer Kleinstadt im Ansiedlungsrayon unweit von Minsk, und verstorben in Paris, verfolgte eine eigenwillige Malweise im Spannungsfeld zwischen einem ostentativen Festhalten an der Frontalität als Grundbedingung des Staffeleibildes und den damit einhergehenden lateralen Verschiebungen. Seine Bilder evozierten zu Lebzeiten sowie posthum eine Rezeption, die einerseits von formalistischen und andererseits von gruppenspezifischen Zuschreibungen wie der «Art juif» oder der «École de Paris» geprägt war. Darin resultierte die Deformation jedoch als Abweichung von der normativen Vorstellung einer «richtigen» sowie französischen bzw. westeuropäischen Form. Beide Lesarten bedienten sich dabei einer Psychologisierung und Pathologisierung, gekoppelt mit formaler Bewunderung, wodurch Soutine zu einem isolierten Aussenseiter stilisiert wurde.

Angesichts dieser Problemlage verfolgt die Dissertation ein zweifaches Ziel: Zum einen identifiziert und rekonstruiert sie eine kritische Genealogie von Soutine als Maler der Deformation und begreift seine Bildformen im Kontext bildtheoretischer Fragestellungen der Moderne und ihren Bezugnahmen auf die Malereigeschichte. Zum anderen schlägt die Arbeit eine eigenständige Formanalyse vor, mit welcher Soutines Malerei unter Berücksichtigung des diskursgeschichtlichen Kontexts neu bestimmt werden kann. Deformation wird in diesem Zusammenhang nicht als Verzerrung einer Norm oder einer bildlichen Form, sondern vielmehr als Antwort auf die Erfahrung des Fremdseins begriffen. Seine Bilder sind Ausdruck einer tiefgreifenden Beschäftigung mit seiner direkten Umwelt: das Paris der 1920er und 1930er Jahre. In dieser Deutung fungiert Soutines Werk als Gegenentwurf zu den Herausforderungen der Moderne wie der zeichenhaften Abstraktion des Kubismus’, die er rückblickend als «zu zerebral» beschrieb.

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