/ News

Aïcha Revellat: Fragile Oberflächen, scharfe Kanten. Form und Orientierung in Hannah Villigers Praxis

Flyer

Hannah Villiger, Block XXXVI, 1993/94, 15 C-Prints von Polaroidfotografien, aufgezogen auf Aluminium, 298 × 481 cm. Courtesy: Foundation THE ESTATE OF HANNAH VILLIGER.

Die Dissertation wurde von Prof. Dr. Markus Klammer, Prof. Dr. Eva Ehninger, Humboldt-Universität zu Berlin sowie Prof. Dr. Ute Holl, Universität Basel betreut.

Die Dissertation untersucht das Oeuvre von Hannah Villiger (1951-1997) aus queer-phänomenologischer Perspektive als konsequent desorientierende Praxis. Im Zentrum steht ein Gefüge von Körper, Raum, Medium und Werkstatus, das stabile Ordnungen unterläuft und Wahrnehmung irritiert. Die Arbeiten widersetzen sich linearen kunsthistorischen Lesarten und werden stattdessen als Netz serieller, zeitlich offener Beziehungen gefasst. Oberfläche erscheint dabei als zentrales Feld, auf dem Materialität, Zeitlichkeit und Körperlichkeit ineinandergreifen.

Die Hinwendung zum eigenen Körper ist keine autobiografische Geste, sondern eine formale Setzung: Nähe, Fragmentierung und Verschiebung der Orientierung unterlaufen seine eindeutige Lesbarkeit. Die daraus hervorgehende Desorientierung bildet den Kern einer queeren ästhetischen Praxis, die normative Wahrnehmungsordnungen unterwandert. Haut fungiert als Schauplatz von Innen und Außen, Sichtbarkeit und Entzug sowie sozialer Codierung.

Berücksichtigt werden zudem Arbeitsmaterialien, Notizbücher und nicht kanonisiertes Material, die die Arbeitsweise sichtbar machen. Die Polaroid-Technologie erweist sich dabei als entscheidendes Medium, in dem Körper, Zeitlichkeit und Bildproduktion unauflöslich zusammenkommen.

 

Quick Links

To top